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Die Gemeinde Kinsau

Lage

Kinsau liegt am südlichen Rand des Landkreis Landsberg am Lech zwischen der Romantischen Straße und dem Lech. Die Gemeindefläche fällt in vier Terassenstufen zum Lech hin ab und bietet teilweise prächtige Aussichten. Kinsau ist eine eigenständige Gemeinde ohne weitere Ortsteile.

Am Rande der untersten Terrasse, im Osten vor dem historischen Ort, wurde erst in jüngster Zeit die nach dem Krieg entstandene Splitterbebauung nach Aufstellung eines inzwischen verbindlichen Bebauungsplanes „Am Bachfeld“ bebaut. Auf der ersten Terrasse über dem Lech, unterhalb eines ausgeprägten, überwiegend bestockten Steilhanges haben sich zur Kirche St. Matthäus mit Pfarrhaus und Friedhof haufendorfartig die Höfe, Wohn- und Handwerkshäuser, der Kindergarten, Mehrzweckhalle, Rathaus mit Feuerwehrhaus gruppiert. Auf der zweiten Terrasse über dem Lech liegt der noch ältere Ortsteil mit den ältesten und größten Höfen und zeigt einen ausgesprochenen dörflichen Charakter. Auf der dritten Terrasse liegen einige seit Mitte des vorigen Jahrhunderts entstandene Anwesen mit den benachbarten Neubausiedlungen der Nachkriegszeit (die „Hardsiedlung“, die Siedlungen „Gänsstall“ und „Am Wanderweg“ sowie „Kinsau-West I“ und „Kinsau-West II“ und im Westen die Tankstelle mit gewerblichen Ansiedlungen.

1968 erfolgte der Ausbau der Ortsverbindungsstraße Kinsau-Epfach. Im gleichen Jahr wurde mit viel Eigenleistung das 1938 errichtete HJ-Heim zu einer Mehrzweckhalle erweitert. Sie beherbergt auch die großzügige Schießanlage des Schützenvereines sowie den Probenraum der Blaskapelle. 1971 wurde das Rathaus gebaut. Die zentrale Lage des Rathauses gab dazu den Anlass, das zu klein gewordene Feuerwehrhaus in den Gesamtbau einzubeziehen. 1973/74 erfolgte der Abriss des 1885 erbauten Bahnhofsgebäudes; der Zugverkehr wurde 1981 eingestellt. Die Bahnstrecke wird derzeit nur noch für den Güterverkehr genutzt.

Die den Ort Kinsau im Westen tangierende B17 Augsburg-Füssen (ein Teil der Romantischen Straße) und der Bahnbusverkehr gewährleisten den Anschluss an alle Fernverbindungen.

Wappen

1974 erhielt die Gemeinde Kinsau nach dem Entwurf von Landrat Müller-Hahl ein eigenes Wappen mit folgender Beschreibung:

Von einem goldenen Wellenbalken schräg-links geteilt,
oben in Schwarz eine goldene Krone,
unten in Grün ein goldener Frauenschuh.

Deutung:
Die Krone ist ein Symbol für den Namen Königsau fränkisches Königsgut. Die Farben Schwarz und Gelb sind die Farben von Schongau, da die Hälfte der Kinsauer Anwesen dem Spital Schongau gehörten. Der Frauenschuh versinnbildlicht die Au mit einem der schönsten Vertreter der Alpenflora. Der Wellenbalken von rechts oben nach links unten weist auf die Lage am Lech hin.

Land- und Forstwirtschaft

Landwirtschaft und Wälder prägen zusammen mit den Lechauen den bäuerlichen Charakter des Landschaftsbildes und der Ortsstruktur wesentlich mit. Von der Gesamtfläche der Gemeinde mit 1143 ha sind 650 ha Wirtschaftsfläche, 346 ha Waldfläche und 103 ha Wasserfläche (Lech).

Die Waldgenossenschaft Kinsau wurde 1956 zur Auflösung der Nutzungsrechte wiedergegründet. Dabei gingen 34 Tagwerk in Privatbesitz, auf 53 Anteile aufgeteilt. Die Gemeinde besitzt 26,7 ha Wald.

Zahlen & Fakten

Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Landsberg am Lech
Verwaltungs­gemeinschaft: Reichling
Höhe: 699 m ü. NHN
Fläche: 11,44 km2
Einwohner: 1058 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte: 92 Einwohner je km2
Postleitzahl: 86981
Vorwahl: 08869
Kfz-Kennzeichen: LL

Name und älteste Geschichte

Das älteste Zeugnis aus Kinsaus Geschichte ist sein Name “Königsau“
Der Ort ist bei seinem bisher bekanntesten ersten urkundlichen Auftreten um 1300 ein Bestandteil der Herrschaft der Herren von Seefeld am Peißenberg.

 

Kinsau Unterdorf, kolorierte Postkarte, 1910

1300 Im Urbar der Herren von Seefeld am Peißenberg aus der Zeit von 1300 – 1320 wird unter den grundherrschaftlichen Besítzmittelpunkten der Ort „Chungsawe“ mit 19 Höfen, an der Spitze der Verwaltungsmittelpunkte Maier- und Sedelhof, genannt. (Urbar = Verzeichnis der Güter, Einkünfte und Rechte eines Grundherrn).
1323 In einer Urkunde vom Kloster Steingaden schreibt man „Kunigsowe“.
1331 In einer Urkunde vom Kloster Benediktbeuren lautet der Ortsname: „Chuengsawe“.
1368 Liest man in einer Urkunde aus dem Archiv der Herren von Seefeld: „Küngsaw“.
1600 In der ältesten erhaltenen Karte der Westgrenze des Herzogtums Bayern wird der Ort „Khingsaue“ genannt.
1699 Im Plan der Bayerischen Landesgrenze im Bereich des Hochgerichts Schongau heißt der Ort „Khingßawe“.
1755 In einem Plan der Entwicklung der Bayerischen Landesgrenze im Bereich der Landgerichte Landsberg und Schongau schreibt man:„Künsau“; damit ist die heute gebräuchliche Form des Namens erreicht.

Die Verschiedenheit der älteren Beschreibungen sind sachlich ohne Belang, die Bedeutung des Namens ist klar:„Chungsawe“ heißt Königsau. Bestimmungswort = Königs-, Grundwort= Au. Der Name Königsau weist auf alten Staatsbesitz in diesem Raum hin.

R.DERTSCH hat überzeugend anhand den Untersuchungen von Ortsnamen im Raum Kaufbeuren gezeigt, wie vom „Königs-Hof“ Kaufbeuren aus eine planmäßige, staatsfränkische Rodungssiedlung betrieben worden ist, die in unserem Untersuchungsraum bis in die Gegen des Sachsenrieder Forstes hineinreicht. Die Namen Königsau (Kinsau) und Kingholz (Königsholz) weisen auf Königsgut westlich von Schongau hin. Die Ortsnamen Ingenried, Kinsau, Sachsenried, Frankau und Königsried sowie der Flurname Kingholz lassen den Schluss zu, dass wir es auch in diesem Gebiet mit einer staatsfränkischen Kolonisation (Ansiedlung bäuerlicher Bevölkerung im Inland) im 8. und 9. Jahrhundert zu tun haben, die R. DERTSCH für das anschließende Gebiet des Königshofes Kaufbeuren wahrscheinlich gemacht hat.

 

Aus der reichen Geschichte des Ortes ein kurzer Überblick

altes Luftbild KinsauDer Ort ist bei seinem bisher bekannten ersten urkundlichen Auftreten um 1300 ein Bestandteil der Herrschaft Peißenberg, im Besitz der Herren von Seefeld. Der Name in der ältesten Form „Chungsawe“ weist auf alten Staatsbesitz hin, d. h. auf fränkisches Königsgut.
Nach dem Aussterben der Seefelder kam Kinsau 1420 zum herzoglichen Niedergericht Rauhenlechsberg bis 1820.
Einen Teil der Seefelder Güter erbten die Herren von Freiberg, die 1445 große Wälder und ca. 600 Tagwerk Äcker und Wiesen dem Spital Schongau verkauften; weshalb auch die Pfarrei Kinsau 1451 dorthin einverleibt war und daher bis 1972 zum Dekanat Schongau gehörte.

 

Alte Luftaufnahme

Kaufvertrag von 1445

Das Spital Schongau kauft von Friedrich von Freiberg um 620 rheinische Gulden die 9 Höfe zu Kinsau, dazu das Gericht halbs, den Wald am Adlersberg und den Wald am Steinsberg, der an den Herzogwald und an die Rotwiese stoßt.
Andere bedeutende Grundherrschaften treten auch später nicht auf, so dass neben der Grundherrschaft Rauhenlechsberg mit zwei ganzen Höfen, zwei halben und 5 kleinen Anwesen noch 1752 von den 61 Anwesen – 6 halbe und vier Viertelhöfe dem Spital gehören, die anderen auf die Gemeinde – 23 kleine Anwesen und 16 Eigenbesitz entfielen.

 

Güterbestand des Pflegegerichts Rauhenlechsberg,
Hauptmannschaft Kinsau, 1753

Kinsau: 61 Anwesen, davon:
Kastenamt Rauhenlechsberg: 2 ganze Höfe, 2 halbe, 4 – 1/4, 1 – 1/16.
Spital Schongau: 6 halbe Höfe, 4 – 1/4.
Gemeinde: 2 – 1/8, 19 – 1/16, 2 – 1/32, Pfarr-Widem: 1/32.
Bauern des Ortes: 16 je 1/16, eigen: 3 je 1/16.

Dies spricht für eine frühe Selbständigkeit wie auch dafür, dass landsherrschaftliche Ämter ihren Gemeinden und Bauern den Besitz erhielten.
Es wurde noch Jahrhunderte unterschieden zwischen Herzogbauern und Spitalbauern.
Die Besitzzersplitterung, der klein- und mittelbäuerliche Besitz, der hohe Anteil an damals menschenfeindlichem Wald, die geringe Fruchtbarkeit und die geschützte Lage verschonten den Ort mehr als andere vor Besitzkämpfen, Kriegswirren und Plünderungen. Auch von Pestopfern ist nichts bekannt.

Erst 1703 kamen Husaren ins Dorf, raubten und brandschatzten die „hülzernen“ Häuser, und die Sorgen zogen sich hin in die Erbfolgekriege von 1744.
Die Sprache ist mehr schwäbisch, weil zu den Orten östlich des Lechs wenig Verbindung bestand.

 

Gemälde Kinsau

1906 baut Apfeldorf eine Lechbrücke, die 1945 zurückflutende deutsche Truppen sprengten. Die Besetzung durch französische und amerikanische Truppen war trotzdem nicht aufzuhalten. Die 1947 errichtete Behelfsbrücke hielt bis 1980 dem Verkehr stand und ist nun durch eine breite Stahlbetonbrücke vom Straßenbauamt ersetzt worden, weil dieser Straßenzug seit 1972 Staatsstraße ist. Vorher ist seit 1552 eine Fähre (Überfahrt) nachgewiesen, die auch in die Hirschau führte.
Kinsau kam 1803 nach Auflösung der herzoglichen Pflege Rauhenlechsberg zum Landgericht und späteren Bezirksamt Schongau. Am Lech stand eine bedeutende Sägmühle, die 1904 die Papierfabrik Kempten kaufte und eine Cellulosefabrik für ca. 80 Arbeiter errichtete, bis sie ab 1928 nur noch als E-Werk durch die Papierfabrik Haindl genützt wurde. Heute ist sie in der Kette der Lechstaustufen eingereiht.
Das im Jahr 1907 erbaute Umleitungskraftwerk mußte aus Sicherheitsgründen 1990 abgebrochen werden. Von 1989 bis 1992 wurde ein neues Umleitungskraftwerk gebaut.

 

Einwohnerentwicklung

Um 1445 zählte man 160 Einwohner, heute sind es knapp über 1.000 Einwohner.

 


Neuere Dorfgeschichte

 

Wasserversorgung

Um den gestiegenen Anforderungen an einwandfreies Trinkwasser gerecht zu werden, wurde 1964 der Bau einer gemeindlichen Wasserversorgung begonnen und 1965 zu Ende geführt. Bis dahin gab es neben der Wassergenossenschaft Oberdorf lose zusammengeschlossene und einzelne Wasserentnahmestellen im Unterdorf und im Bachtal, wo reichlich Wasser entspringt.

 

Käserei und Molkerei

Die große Verarmung, die durch das Aufhören der Flößerei und dem Zusammenbruch der Sägmühle eingetreten war, zwang zu Überlegungen, wie man aus der Not herauskommen könnte. Deshalb erfolgte 1892 die Gründung der Käserei Kinsau mit 52 Milchlieferanten. Nach 10 Jahren war die Molkerei zu klein und es wurde im Oberdorf zusätzlich eine Dampfmolkerei erstellt. Dem 1928 in Schongau gegründeten Butterwerk traten jetzt die beiden Molkereien bei. Die Milch wurde in Kinsau entrahmt und diente zur Käsebereitung. Ab 1953 wurde die ganze Milch nach Schongau geliefert. Zwischenzeitlich wurden beide Käsereien geschlossen. Die Milch wird heute vom Hof abgeholt.

 

Pfarrhof

Der mit der Kirche das Dorfbild beherrschende Pfarrhof entstand 1739/41. Vorher blieb die Pfarrei oft unbesetzt und die Schongauer schickten nur hin und wieder ihren Spitalbenefiziaten oder den Vikar für Eldratshofen, obwohl sie den ganzen Zehent einsteckten.

Nach dem Tode von Pfarrer Feldmaier 1965 wurde der Pfarrhof nur noch von der Pfarrhaushälterin Frieda Semmelroth bewohnt. Seit deren Auszug ins Altersheim steht der Pfarrhof leer.

Eigentümer bis 2013 des Kinsauer Pfarrhofes war die Kath. Pfarrpfründestiftung St. Matthäus in Kinsau. Eine Renovierung des Pfarrhauses sollte schon 1983 erfolgen, scheiterte aber an dem hohen Kostenvoranschlag von 800.000 DM.

Im Jahr 2013 erwarb die Gemeinde Kinsau den Pfarrhof, 2014 wurde mit den Restaurationsarbeiten begonnen.

 

Ortsverschönerung

Schon 1936 erhielt Kinsau beim ersten Ortsverschönerungswettbewerb einen Anerkennungspreis vom Staat, weil die Einwohner die Eigenheit ihres Dorfes erhalten haben.

Die Verleihungsurkunde erhält folgende Begründung: „Nur selten kommt man durch einen Ort, wo kein Misston festzustellen ist. Hier ist ein solches Dorf; kein Zufallsgebilde, sondern das Ergebnis einer vernünftigen und ordnungsliebenden Haltung der Bevölkerung, welche weiß, dass die Erhaltung der Schönheit, der Sauberkeit der dörflichen Eigenheit ewiges Kapital ist, das Gegenteil töricht ohnegleichen.“

 

Flößerei

Bis um 1900 war Kinsau wie Apfeldorf ein Flößerdorf und manche Sterbefälle in Österreich und Ungarn weisen auf dieses Gewerbe hin.